#sachmal – Zocken

Suggestivfrage Heiko! Vielleicht ist Zocken gar nicht spannend. Zocken ist bisweilen langweilig, zäh und bringt einen um den Verstand. Die Frage muss lauten: Warum macht man’s trotzdem?

Einige Psychologen haben Theorien dazu entwickelt. Einen guten Überblick gibt der launig geschriebene Artikel von GIGA.de. GIGA.de – Warum spielen wir?
Am besten fasst es der Autor selbst zusammen:

Wir spielen seit jeher. Das Spiel ist in allen Kulturen zu finden. Es ist ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen Handelns und ganz tief in uns verwurzelt – wir müssen einfach spielen. Spiele sind für unsere gedeihliche Entwicklung unabdingbar. Im Spiel lernen wir, wie die Welt funktioniert. Wir vergessen uns im Spiel, wir erfüllen uns unrealistische und unterdrückte Wünsche, wir verarbeiten Probleme und Konflikte. Das Spiel ist ein lustvoller und freier Ort, eine Welt, die von uns selbst erschaffen wird und die wir mit aller Kraft gegen die Anforderungen der Realität verteidigen. – Tobias Heidemann 28.11.2012, GIGA.de

Und das ist auch schon, zugegeben etwas kurz, die wissenschaftliche Erklärung des Spieltriebes. Dieser Text soll auch viel mehr ein Plädoyer für’s Zocken sein und falls die Frage anders gemeint war eine Verteidigung.

Das erste Computerspiel, das mich richtig in seinen Bann zog war The Elder Scrolls III Morrowind. Die Insel voller komischer Echsen- und Katzenmenschen, Dunkelelfen und Orks brachte mich um manche Nacht. Es war der Moment durch eine äußerst wage Wegbeschreibung dennoch eine winzige, versteckte Höhle zu finden. Ich war jedesmal Stolz wie Bolle und konnte oft meiner Schwester und später meinem Bruder manche Örtlichkeit auf Morrowind zeigen. Noch heute kennen die Geschwister Riedl die Insel wie ihre Westentasche – trotz der Größe der Spielwelt. Es gibt verschiedene Gründe zu zocken. Viele kennen Mario Cart auf der alten Wi. Wie kein zweites Spiel bannt es ganze Gruppen und Partybesucher vor den Fernseher und keiner kann ruhig sitzen. Welchen Ehrgeiz das Rennspiel auslöst, merkt immer der, der kurz vor dem Ziel noch den ersten Platz verliert. Im Aggressionspotential schlägt Mario Cart nur FIFA. Ob online oder auch zu zweit vor dem Bildschirm. FIFA schafft es, dass ich vor Wut meinen Controller an die Wand werfe oder Nachts mit fluchenden Freunden den Wohnblock wachhalte.

Die Dark-Souls-Reihe ist unglaublich schwer und frustrierend. Dennoch quäle ich mich Stunde für Stunde durch die Welt. Ich will sie erkunden, will ihre Geheimnisse finden und ich will es nach tausenden Versuchen endlich schaffen, den letzten Bissgegner zu besiegen. Dark Souls ist Arbeit. Den Moment aber, wenn es endlich klappt, kann man gar nicht beschreiben – pure Belohnung. Ähnliches habe ich nur empfunden, als ich der Zombiewelt DayZ nach tagelangem Suchen, Schleppen und Kämpfen einen funktionierenden Hubschrauber abtrotzte. Ach ja, mit einem 20l-Kanister habe ich ihn betankt. Von wegen spannend.

Zocken ist spannend, weil es Emotionen auslöst. Weil es einen irrationale Dinge tun lässt. Weil es zuweilen auch zum Nachdenken anregt und weil es die Zeit vergessen mach. Weil es abkapselt und verbindet. Nur Zocker bereisen fantastische Welten – in jedem Spiel eine neue. Spiele auf dem Smartphone machen uns das Warten leicht. Man kann sogar Geld damit verdienen und das nicht nur als Spieler. So viele Facetten hat kein andres Hobby. Zocken ist geil.

So ich muss los – Dark Souls spielen.

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