#sachmal – Brückenbildung

Herrje, da hat Philipp aber eine Frage gestellt:

Vorab eine Information an alle „Quelle: Internet“-Personen: Zwei Webseiten weiter soll es gerade eine neue Enthüllung geben, die wieder einmal beweist, wie ferngesteuert wir Bürger in der Bundesrepublik Deutschland eigentlich sind! Das sollten Sie sich unbedingt durchlesen…

So, nun sind wir hoffentlich alleine, denn das ist bei diesem Thema nicht einfach. So wirft die Google-Suche zur Atlantik-Brücke mehr Verschwörungsseiten als seriöse Quellen auf. Schütteln wir also gemeinsam das Sieb und suchen die Goldkrumen im Dreck.

Die Atlantik-Brücke

„Im Mittelpunkt unserer Aktivitäten steht das Bemühen um ein besseres gegenseitiges Verständnis“, erklärt die Atlantik-Brücke – genau genommen der gemeinnützige Verein Atlantik-Brücke e.V. Gegenseitig meint hier zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland. Weiter ist zu lesen:

„Zielgruppe sind deutsche und amerikanische Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik, den Streitkräften, der Wissenschaft, den Medien und der Kultur […]“.

Eine Mitgliedschaft gibt es nur auf Einladung, rund 500 Mitglieder besitzt die Brücke derzeit. Sie können sich in kleineren persönlichen Runden treffen, bei verschiedenen Konferenzen oder beim Atlantik Ball, der 2015 das erste Mal (unter Schirmherrschaft der Bundesministerin der Verteidigung Ursula von der Leyen) ausgerichtet wurde.

1952 gründete sich der Verein und versammelt seitdem stets Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Medien, was auch die derzeitige Vorstandsbesetzung zeigt: Andreas Dombret von der Deutschen Bundesbank ist Schatzmeister, Edelgard Bulmahn von der SPD stellvertretende Vorsitzende und Kai Diekmann ein weiteres Vorstandsmitglied. Die gesamte Bandbreite an Beteiligten lässt sich am ehesten durch das Lobbyradar aufzeigen.

Inhaltlich gesehen unterstützen die Brücke die amerikanischen Interessen, wie sich aus der Übersicht von Veröffentlichung rauslesen lässt: Support für TTIP, eine enge Zusammenarbeit gegen den Terror oder die gemeinsamen Auswirkungen durch den VW-Skandal. Ohne dass es genau auf der Seite steht, Lobbyarbeit zu Gunsten der USA scheint ein wesentlicher Faktor zu sein.

Die Journalisten bei der Atlantik-Brücke

Was genau machen jetzt Journalisten bei diesem Verein? Beteiligt waren sie zumindest von Anfang an: Marion Gräfin Dönhoff gehörte mit zu den Gründern. Sie war jahrelange Redakteurin, Chefredakteurin und spätere Herausgeberin der ZEIT. Immer wieder setzt sie sich für den Wunsch nach Frieden und internationaler Zusammenarbeit ein und appelliert für eine aktive Ostpolitik – womit sie nicht nur pro-amerikanisch erscheint.

Und auch heute sind einige Journalisten in höheren Rängen der Medienunternehmen in der Brücke zu finden. Neben bereits erwähntem Kai Diekmann findet sich unter den Mitgliedern auch Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Axel Springer Verlages. Hinzu kommen beispielsweise: Claus Kleber (ZDF heute journal) oder Hubert Burda (Verleger des gleichnamigen Verlages). Auch weitere Namen sind in Jahresberichten des Vereins zu finden, wobei 2010 einige Mitglieder (wie der ZEIT-Herausgeber Theo Sommer) austraten. Grund für den Austritt vieler Mitglieder in diesem Jahr könnte die Übernahme des Vorsitzes durch Friedrich Merz sein, der einige radikale Veränderungen vornehmen wollte.

Gerade bei Journalisten aus dem Hause Springer ist ein allgemeine Pro-Amerikanische Haltung nicht verwunderlich, zumindest wenn ein Blick auf die Unternehmensgrundsätze des Verlages geworfen wird: „Die Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika.“ Bei Medienvertretern anderer Verlage ist diese Haltung nicht so offensichtlich.

Die Frage nach dem Einfluss

Die wichtige Frage ist auch nicht, ob Journalisten überhaupt dabei sind – Vielmehr geht es darum, ob und wie sie sich beeinflussen lassen? Der Autor Udo Ulfkotte beschreibt in seinem Buch „Der gekaufte Journalist“ mit dem Untertitel „Wie die Politiker, Geheimdienste und Hochfinanz Deutschlands Massenmedien lenken“ unter anderem, dass Jan Fleischhauer durch die Atlantik-Brücke von der CIA gelenkt wird. Das im Kopp-Verlag (anscheinend für Verschwörungstheorien bekannt) erschiene Buch, kann mit Recht als Brennglas für alle Theorien zur gelenkten Medienlandschaft gelten – wahr ist davon wohl kaum etwas, wie Niggemeier stichprobenartig beweist.

Das Buch zeigt: Laut schreiend lässt sich eine Beeinflussung der Medien zwar aufzeigen, mit Fakten hat dies jedoch nichts zu tun. Da erscheint der Ansatz von Uwe Krüger als etwas gehaltvoller: In seiner Dissertation„Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten – eine kritische Netzwerkanalyse“ untersucht Krüger, ob Journalisten durch ihren Umgang mit elitären Kreisen beeinflusst werden und somit anders schreiben. Der Text war unter anderem Grundlage für einen Sketch von der Satire-Sendung „die Anstalt“, woraufhin ein Rechtsstreit entbrannte.

Auf den ersten Blick bringt das Buch einen wissenschaftlichen Ansatz, scheint dabei jedoch mit einer Inhaltsanalyse von vier hochrangingen Journalisten etwas zu kurz zu greifen. Krüger selbst ist ebenfalls vorsichtig, was diese Beeinflussung anbetrifft:

„Ich vermute folgendes: Journalisten mit Eliten-kompatiblen Werten und Meinungen haben höhere Chancen, Zugang zu den höchsten Kreisen zu bekommen, und die Einbindung in das Elitenmilieu verstärkt dann über die Zeit hinweg die Konformität. Das heißt auch: Journalisten mit Eliten-kompatiblen Meinungen haben bessere Chancen, Karriere zu machen, denn sie können im eigenen Haus und in der Branche mit exklusiven Informationen und hochrangigen Interviewpartnern punkten.“

Irgendwie kein Fazit

Das Ganze ist – leider – ziemlich schwammig und verworren, weshalb an dieser Stelle nur festgehalten werden kann: Die Atlantik-Brücke ist ein elitärer Verein, der die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den USA fördert und somit deren Interessen mit vertritt. In diesem Verein sind hochrangige Journalisten, die sich für dieses Thema interessieren und somit grundsätzlich die Interessen der Brücke auch zu teilen scheinen. Ob dies ihre Schreibe beeinflusst, lässt sich nicht sagen. Schließlich könnten sie grundsätzlich diese Meinung besitzen und deswegen so schreiben, wie sie es tun. Eine Mitgliedschaft beweise noch lange keinen Einfluss, erklärt beispielsweise Stefan Kornelius von der SZ, der selbst in der Studie von Krüger als Alpha-Journalist erscheint. Zur Sicherheit hat sich der DJV 2014 deshalb in einer Pressemitteilung deutlich positioniert: „Die Unabhängigkeit und die Glaubwürdigkeit des Journalismus gebieten es, dass Journalisten keine aktive Rolle in Organisationen ausüben, über die sie berichten“, so die Aussage von DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken in der Mitteilung. In wie weit dies mit der Realität übereinstimmt, lässt sich schlicht nicht beantworten.

Wer wissen will, wo der oder die entsprechende Autor/in eines Textes einen Mitgliedsausweis hat, den könnte die Browser-Erweiterung cahoots interessieren. Was diese Erkenntnis einem bringt, muss jedoch jeder selbst entscheiden…

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