#sachmal – Das zunehmende Leck?

Da hat Philipp ja eine Frage rausgehauen!

Tja, da steckt eine Menge mehr Fragen hinter deiner Frage, lieber Philipp. Ich zähle alleine schon Fünf: 1. Was ist eigentlich ein Leak? 2. Was gehört zu einem Leak dazu? 3. Seit wann gibt es diese Leaks eigentlich? 4. Seit wann ist das Ganze wirklich bekannt? 5. Wie viel wird eigentlich veröffentlicht und ist es mehr?

Hier also ein paar Grundlagen: Ein Leak bedeutet ins Deutsche übersetzt erst einmal Leck, Leckage, aber auch Durchsickern. Der Duden kennt diesen Begriff alleinstehen übrigens nicht, sondern nur die Plattform WikiLeaks. Die reine Übersetzung hilft aber wenig, um die eigentliche Tragweite zu erklären. Wir nehmen deshalb einfach direkt einen zweiten Begriff dazu: Den Whistleblower, im journalistischen Sinne ein Informant, der Misstände öffentlich macht (und den es im übrigen auch in weiblicher Form gibt, dann mit -in am Ende). Um etwas öffentlich zu machen, braucht es also eine Information – meistens etwas, dass eher nicht an die Öffentlichkeit kommen sollte. Somit ergibt sich folgende Gleichung:

Information + Whistleblower = Leak

Wobei das nicht so ganz stimmt, denn häufig wollen die Informanten nicht erkannt werden und veröffentlichen die Daten lieber über andere Personen: Journalisten.

Information + Whistleblower + Journalist = Leak

So und wenn wir uns das nun ansehen, dann zeigt sich, dass das Ganze irgendwie nicht neu ist. Schließlich gab es schon immer Informanten (heute auch in Deutschland als Whistleblower bezeichnet), die Informationen an Journalisten gaben. So arbeitet der Investigativjournalismus. Daniel Drepper vom Correct!v hat in einem eigenen Blogpost sehr schön erklärt, was hier alles dazu gehört. Interessanter Punkt dazu: In Amerika ist die Art des Whistleblowings schon wesentlich Älter, wie eine Timeline auf whistleblower.org zeigt. Informanten werden in den USA eher als Schiedrichter verstanden, die Missstände auspfeifen.

In Deutschland ist der Begriff so richtig erst seit 2010 bekannt, mit der Veröffentlichung eines Hubschraubervideos durch den Amerikaner Chelsea Manning auf der Seite WikiLeaks, die es damals aber schon vier Jahre gab. Ordentlich los ging es mit dem NSA-Leak durch Edward Snowden, so meint es zumindest die Seite dasnetz.online.

Das alles hilft dir sicherlich noch nicht weiter, werter Philipp. Denn deine eigentliche Frage habe ich ja noch nicht einmal angerührt, sondern mich – politisch sehr versiert – einfach mit anderen Fragen beschäftigt. Schluss damit!

Nimmt man als Beispiel die Anzahl von geleakedem Material, so zeigt der Artikel von netzpolitik.org, dass dem BND in den letzten Jahren mehr Material verloren geht. Ich könnte also hiermit schonmal sagen: Ja die Leaks nehmen zu. Es erscheint jedoch eher, dass der Begriff schlicht mehr genutzt wird. Was früher als „Enthüllung“ bezeichnet worden ist, findet heute das Siegel „Leak“. Ein paar Beispiele: Es gibt Journalisten-Leaks, Videospiele-Leaks oder Geräte-Leaks. Bei vielen der Artikel könnte das eine Wort durch das andere ersetzt werden. Leak ist also eines der vielen Modeworte des Journalismus geworden – vielleicht, weil sich dadurch auch so schön ein Hashtag bauen lässt, wie beispielsweise der #szleak.

Die großen Leaks – diejenigen, die wirklich Missstände enthüllt und veröffentlich haben – sind dagegen nicht wirklich mehr geworden: WikiLeaks Durchbruch 2010, Offshore Leaks 2013, Global Surveillance (Edward Snowden) 2013, Chinaleaks 2014, LuxLeaks 2014, Swiss-Leaks 2015, Panama Papers 2016, TTIP-Leaks 2016 – das macht pro Jahr im Schnitt zwei größere Leaks, die meisten davon aus dem wirtschaftlichen Sektor. So viele sind das gar nicht, guter Philipp.

Einen Punkt habe ich aber noch außer Acht gelassen: Die Daten, die hinter so einem Leak stecken. Denn die haben in den letzten Jahren schon zugenommen, wie eine Grafik von „DIE WELT“ zeigt. Um diese Masse an Informationen zu verarbeiten, bedarf es neuer Techniken und Möglichkeiten, die Dank internationaler Rechercheteams mit Programmierern und Journalisten heutzutage leichter möglich sind, als noch vor ein paar Jahren. Stichwort hier: Datenjournalismus. Leider muss soetwas finanziert und deshalb auch Marketing-technisch gut verkauft werden. Dadurch wird das Ereignis mehr vermarktet, als die dahinter steckende Nachricht.

Positiv zu bemerken ist, dass die Möglichkeiten für Whistleblower auch leichter geworden sind, um an Journalisten heranzutreten. Dies könnte natürlich auch zu einer Erhöhung von Enthüllung geführt haben. Mainstream sind diese Angebote jedoch noch nicht, schreibt Stefan Mey bei torial.

Mein Fazit ist damit: Im Grunde genommen gibt es in letzter Zeit gar nicht mehr Leaks. Der Begriff wird einfach als Modewort benutzt und für viele Dinge verwendet, die eigentlich gar nicht so groß sind. Eine genaue Grafik, wie viele Leaks es in den letzten Jahren wirklich gab, schenkt mir das Internet leider nicht. Dennoch sage ich: Zwei große Enthüllungen pro Jahr, die dann aber eigentlich gar nicht so groß sind, dass erscheint mir nicht als viel. Gefühlt gibt es in letzter Zeit so viele Leaks, in Wirklichkeit wird mit dem Begriff einfach mehr Werbung für die eigene Marke gemacht.

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