Deadpool – Ryan Reynolds Entschuldigung für Green Lantern?

Ryan Reynolds versucht sich noch einmal an Deadpool. Bei Green Lantern war er nach Meinung der Kritiker als Comic-Charakter gescheitert. Hat er es dieses Mal besser hinbekommen?

Copyright: 2015 Twentieth Century Fox

Copyright: 2015 Twentieth Century Fox

„Ein überbezahlter Honk im Regiestuhl“ – direkt mit den ersten Bildern zeigt der Film in welche Richtung es geht: Spaß und gute Unterhaltung. Denn genauso beschreibt der Vorspann zu Deadpool unter anderem den Regisseur. In der Verfilmung des gleichnamigen Comics nimmt der Söldner Wade Wilson an einem Mutationsexperiment teil, um den Krebs in seinem Körper zu bekämpfen, sein Leben zu retten und damit bei seiner Verlobten zu bleiben. Zurück bleibt ein selbstheilender, aber völlig entstellter Mann mit zwei Samuraischwertern und Schusswaffen in einem roten Anzug.

Schauspieler Ryan Reynolds nutzt in der Verfilmung des Marvel Comic-Charakters seine zweite Chance als Deadpool und dritte Chance als Superheld gekonnt. Denn mit Green Lantern musste er sich – wohl zu Recht – viel Spott und Häme einfangen. Und schon einmal durfte Reynolds die Rolle des Sölderns Wade Wilson spielen. Im Gegensatz zur Darstellung damals in X-Men Origins: Wolverin schafft es Regisseur Tim Miller dieses Mal, Deadpool den richtigen Schliff zu geben und Reynolds dies entsprechend umzusetzen. Schließlich besitzt der Mann im roten Anzug einige Besonderheiten, die es zu beachten gilt: Zum einen ist er einer der wenigen Comic-Charaktere, die sich ihrer Rolle als solches bewusst sind. Mehrfach spricht Deadpool in den Büchern mit dem Leser und durchbricht somit die sogenannte vierte Wand. Außerdem hat er einen ziemlich schrägen Humor, der teilweise äußerst verrückte Züge annimmt. Zuletzt ist Deadpool kein Held im eigentlichen Sinne sondern Söldner. Öfter wechselt er die Seiten, je nachdem wer besser bezahlt.

All dies galt es in die Verfilmung einfließen zulassen – meiner Meinung nach ziemlich geglückt. Zwar scheint der Film für einige Zuschauer, die nur die Marvel-Verfilmungen kennen, mit den sonstigen Arten von Heldengeschichten zu brechen. Im Grunde setzt Miller jedoch die Eigenschaften von Deadpool konsequent um. Mit verrückten Witzen und einem gewaltigen Maß an Sarkasmus, lässt der Film einen teilweise vor Lachen nicht zu Atem kommen. Gerne wird sich bei den Untenrum-Witzen bedient. Die Macher vom Film gehen jedoch noch einen Schritt weiter: Deadpool nimmt nicht nur sich selbst auf die Schippe, sondern auch den entsprechenden Schauspieler dahinter, den Film an sich oder das gesamte Genre. So hinterfragt Wilson, dass Ryan Reynolds eine Rolle nur wegen seiner schauspielerischen Leistung bekommen könnte, oder warum er im gesamten Film nur zwei X-Men trifft? Das Durchbrechen der vierten Wand hilft dabei, die Perspektive des Ich-Erzählers zu unterstützen. Deadpool ist konsequent Erzähler und Protagonist – natürlich nicht ohne auch dies direkt mit auf Korn zu nehmen.

Es ist diese Art von fehlender Ernsthaftigkeit in einem Marvel-Film, die nicht nur besonders, sondern besonders gut macht ist. Neben solide umgesetzten Kampfszenen und einer erträglichen Liebesgeschichte (die wohl oder übel bei Hollywood nicht fehlen darf), ist es der Slapstick, der dem Film seine eigene Note verpasst. Dass dabei ein klassischer Spannungsbogen entsteht und somit die Geschichte mehr oder minder wenig überraschend daher kommt, kann durchaus verkraftet werden. Für diejenigen, die auf derbe Witze und Action stehen, ist Deadpool also genau das Richtige!

Ohne Trubel

Kitschig schöne Bilder umrahmen eine klassische Liebesgeschichte im Stile von Rosamunde Pilcher. Oder wird das Am grünen Rand der Welt nicht gerecht?

Bathsheba Eberdeen (Carey Mulligan) ist eine unabhängige, eigenständige und unverheiratete Frau – im viktorianischen England eine Seltenheit. Nach dem sie die Farm ihres Onkels erbt, versucht sie diese wieder in Schuss zu bringen. Vor Heiratsanträgen kann sie sich dabei kaum Retten. Schäfer Gabriel Oaks (Matthias Schoenaerts) Antrag scheitert als erster. Dennoch bleibt er weiter Bethshebas Angestellter und best Friend. Auch der Nachbarfarmer William Boldwood (Michael Sheen) versucht sein Glück und obwohl er ihr Reichtum und Sicherheit verspricht, lehnt Bathsheba ab. Erst der selbstbewusste, etwas freche Soldat Francis Troy (Tom Sturridge) schafft es sie zu überrumpeln. Überstürzt heiraten sie, doch glücklich werden sie beide nicht.

Viktorianische Männerwelt

Am grünen Rand der Welt zeigt, wie sich Bathsheba in der viktorianischen Männerwelt durchzusetzen versucht. Als sie das erste Mal Getreide verkaufen will, wird sie beinahe um eine gerechten Preis gebracht und auch bei den Heiratsanträgen geht es den Liebhabern immer darum, die Frau zu besitzen oder beschützen zu wollen. Trotz aller Bemühungen heiratet Bathsheba zunächst den falschen. Nur gut, dass sich zwei der drei Buhler am Ende selbst ausstechen und es ein Happy End gibt – mit wem wohl?

Keine Angst vor Spoilern. Nicht das Was sondern das Wie macht den Film aus. In Zeiten von Rosamunde Pilcher ist die Geschichte des Romans Far from the Madding Crowd, auf dem der Film basiert, nichts Außergewöhnliches. Vielleicht war der Roman der erste seiner Art. Damals interessant und neu, heute Durchschnitt. Die meisten werden von Beginn an das Ende erraten können.

Heile Welt

Doch der Roman und der Film heißen im Original nicht umsonst Far from the Madding Crowd, also Weit weg vom Trubel. Wie Bathsheba lebte auch Autor Thomas Hardy in Wessex, dem Südwesten Englands, weit weg vom turbulenten London. Die Idylle dieser Gegend wird in fast schon zu schönen Bildern auf die Leinwand gebracht. Außer Sonnenauf- und untergänge scheint es in Wessex keine anderen Tageszeiten zu geben. Und der Trubel jener Zeit, die Unabhängigkeit Amerikas, Kolonien, Stände, Frauenrechte, Londons Politik, Sklaven – all das ist weit weg. Auch die Mitarbeiter oder zu jener Zeit eher Leibeigene auf Bethshebas Farm sind glücklich. Kein Murren kein Knurren, jeder scheint glücklich zu sein. Auch von Dreck und Plackerei ist keine Spur.

Curey Mulligan, Am grünen Rand der Welt

As beautyful as it gets – der Film lebt von seinen schönen Bildern.

Weit weg von den Wirren dieser Zeit bleibt also viel Raum für die Geschichte Bethshebas und die Charaktere. Die sind durchaus tiefgründig und interessant. Und so ist Am grünen Rand der Welt trotz ernster Thematik und viel Theatralik ein Feel Good Movie. Nicht zuletzt wegen der Landschaftseinstellungen und dem manchmal aufblitzendem Witz. Man lächelt oft über die für uns unglaublichen Einstellungen der Menschen und die damaligen Selbstverständlichkeiten.

Am grünen Rand der Welt, wird wohl auch in den Kinos eine Randerscheinung bleiben. Das Sofa, die Zuflucht vor Alltagstrubel, ist sowieso der bessere Ort für Far from the Madding Crowd.

Bilder: 20th Century Fox