Feedback von Thorsten zur Folge #28

Liebes unbesonderes Podcastteam,

ich habe auf meiner morgendlichen Pendlerfahrt euren Podcast genossen. Leider muss ich jetzt wieder zu Hörbüchern und anderen Podcasts wechseln,
weil ihr ja, wie bereits angemerkt, nicht oft genug produziert

Jetzt zum Framing. Ich möchte da vor allem an Heikos Argument anknüpfen, dass insbesondere Forschung faktisch arbeite. Erst einmal möchte ich dahingehend zustimmen,
dass das Ziel eines Forschenden immer ist Fakten zu finden. Jedoch ist die Forschungsfrage und die Faktenevaluation nahezu immer durch ein Framing des Forschenden
in seine „Bubble“ eingehegt. Ich möchte das ganze anhand von Beispielen etwas näher bringen:

Das erste mag etwas näher liegen. Dabei handelt es sich um die historische Forschungsgegenstände. Wie bereits angemerkt ist die Bewertung dieser immer sehr stark
vom Interesse des Bewertenden geprägt. Erstes Beispiel das ich anführen möchte ist Johanna von Orleans. Katholische Monarchisten betonen ihre tiefe Frömmigkeit.
Antiklerikale liberale Republikaner bewundern dagegen ihren Mut gegenüber der Obrigkeit.Sozialisten unterstreichen ihre Herkunft aus der Unterschicht.
Der französische Widerstand während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg feierte sie als Symbolfigur, während das Vichy-Regime ihren Patriotismus instrumentalisierte.
Trotz gleicher Faktenlage kommen alle zu einer teilweise gegensätzlichen Bewertung dieser Fakten.

Ähnlich gelagert ist der Fakt bei Spartakus, dem ehemaligen Gladiator, später Gesicht und Namensgeber eines Aufstandes gegen das römische Reich. Seine Person wurde während des
Kalten Krieges durch Ostblock- und „Westblock“-Historiker erforscht. Die Rolle des antiken Klassenkämpfers, fehlt in der westlichen Betrachtung, wenig überraschend, fast immer
oder wird argumentativ gewürdigt, aber abgelehnt.

Nun mag man vielleicht gegen diese Beispiele anführen, dass sozialwissenschaftliche Forschung zu deutlich politisch geprägt sei. Aber auch die naturwissenschaftliche Forschung
ist davon nicht ausgenommen. Forschung bedarf im wesentlichen eines wichtigen Faktors neben fachlicher Bildung der Forschenden. Und das ist Geld. Geld erhält man als Forschender
in den meisten Fällen allerdings nur dann, wenn mein Forschungsgegenstand, so faktenorientiert er auch sein mag, nur dann, wenn er sich innerhalb der „Bubble“ meiner Geldgeber
bewegt.
Schwingen wir in diesem Fall mal wieder die gute alte Nazikeule, um ein Beispiel zu generieren. Wenn ich heute versuche Gelder zu aquirieren, um ein neues Schädelvermessungsprogramm
ins Leben zu rufen, um die Unterschiede der menschheitsgeschichtlichen und individuellen Entwicklung anhand dieser zu beurteilen.
(http://www.spiegel.de/spiegel/nazis-in-tibet-die-abenteuerliche-himalaja-expedition-des-ernst-schaefer-a-1140406.html – ist nicht die Quelle, nur eine Veranschaulichung)
Auch in diesem Falle handelt es sich um den Versuch durch faktenorientierte Forschung eine These zu bestätigen. Nichts anderes geschieht in einer Vielzahl anderer Versuche. Von
den gescheiterten hört man allerdings selten etwas.

Insofern gebe ich Heiko an dieser Stelle teilweise recht, dass in den Naturwissenschaften eine gewisse Scham besteht nicht eindeutig beweisbares zu publizieren. Da haben die Geistes-
wissenschaften insofern einen Vorteil, dass da die Fakten deutlich leichter verschieden auszulegen sind, als beispielsweise Messdaten. Auch die „Markteintrittsbarrieren“ für die
Auslegung sozialwissenschaftlicher Thesen sind deutlich geringer als die in naturwissenschaftlichen Diskursen. So gibt es wahrscheinlich wenige Stammtische, die sich mit Spinnquantenzahlen
auseinander setzen. Vor allem, weil man sich im allgemeinen auch durch politisch-historische oder soziale Fragestellungen eher betroffen sieht, als durch eher abstrakt wirkende
naturwissenschaftliche Fragen.

So. Jetzt hoffe ich auf eine baldige nächste Folge und wünsche euch viel Spaß beim Aufnehmen und Recherchieren.
Und Phillip (so richtig? Dieser Name existiert in viel zu vielen Schreibweisen…) viel Glück in seiner neuen Wohnung.

-Thorsten