Ohne Trubel

Kitschig schöne Bilder umrahmen eine klassische Liebesgeschichte im Stile von Rosamunde Pilcher. Oder wird das Am grünen Rand der Welt nicht gerecht?

Bathsheba Eberdeen (Carey Mulligan) ist eine unabhängige, eigenständige und unverheiratete Frau – im viktorianischen England eine Seltenheit. Nach dem sie die Farm ihres Onkels erbt, versucht sie diese wieder in Schuss zu bringen. Vor Heiratsanträgen kann sie sich dabei kaum Retten. Schäfer Gabriel Oaks (Matthias Schoenaerts) Antrag scheitert als erster. Dennoch bleibt er weiter Bethshebas Angestellter und best Friend. Auch der Nachbarfarmer William Boldwood (Michael Sheen) versucht sein Glück und obwohl er ihr Reichtum und Sicherheit verspricht, lehnt Bathsheba ab. Erst der selbstbewusste, etwas freche Soldat Francis Troy (Tom Sturridge) schafft es sie zu überrumpeln. Überstürzt heiraten sie, doch glücklich werden sie beide nicht.

Viktorianische Männerwelt

Am grünen Rand der Welt zeigt, wie sich Bathsheba in der viktorianischen Männerwelt durchzusetzen versucht. Als sie das erste Mal Getreide verkaufen will, wird sie beinahe um eine gerechten Preis gebracht und auch bei den Heiratsanträgen geht es den Liebhabern immer darum, die Frau zu besitzen oder beschützen zu wollen. Trotz aller Bemühungen heiratet Bathsheba zunächst den falschen. Nur gut, dass sich zwei der drei Buhler am Ende selbst ausstechen und es ein Happy End gibt – mit wem wohl?

Keine Angst vor Spoilern. Nicht das Was sondern das Wie macht den Film aus. In Zeiten von Rosamunde Pilcher ist die Geschichte des Romans Far from the Madding Crowd, auf dem der Film basiert, nichts Außergewöhnliches. Vielleicht war der Roman der erste seiner Art. Damals interessant und neu, heute Durchschnitt. Die meisten werden von Beginn an das Ende erraten können.

Heile Welt

Doch der Roman und der Film heißen im Original nicht umsonst Far from the Madding Crowd, also Weit weg vom Trubel. Wie Bathsheba lebte auch Autor Thomas Hardy in Wessex, dem Südwesten Englands, weit weg vom turbulenten London. Die Idylle dieser Gegend wird in fast schon zu schönen Bildern auf die Leinwand gebracht. Außer Sonnenauf- und untergänge scheint es in Wessex keine anderen Tageszeiten zu geben. Und der Trubel jener Zeit, die Unabhängigkeit Amerikas, Kolonien, Stände, Frauenrechte, Londons Politik, Sklaven – all das ist weit weg. Auch die Mitarbeiter oder zu jener Zeit eher Leibeigene auf Bethshebas Farm sind glücklich. Kein Murren kein Knurren, jeder scheint glücklich zu sein. Auch von Dreck und Plackerei ist keine Spur.

Curey Mulligan, Am grünen Rand der Welt

As beautyful as it gets – der Film lebt von seinen schönen Bildern.

Weit weg von den Wirren dieser Zeit bleibt also viel Raum für die Geschichte Bethshebas und die Charaktere. Die sind durchaus tiefgründig und interessant. Und so ist Am grünen Rand der Welt trotz ernster Thematik und viel Theatralik ein Feel Good Movie. Nicht zuletzt wegen der Landschaftseinstellungen und dem manchmal aufblitzendem Witz. Man lächelt oft über die für uns unglaublichen Einstellungen der Menschen und die damaligen Selbstverständlichkeiten.

Am grünen Rand der Welt, wird wohl auch in den Kinos eine Randerscheinung bleiben. Das Sofa, die Zuflucht vor Alltagstrubel, ist sowieso der bessere Ort für Far from the Madding Crowd.

Bilder: 20th Century Fox